HAJIM OVADIA, 07.02.2009
Die Brücke zum Islam
Ich bin ein Jude des Islam. Kein arabischer Jude, denn dieser Begriff ist nicht weniger lächerlich wie arischer Jude, baltischer oder slawischer. Ich bin ein Jude des Islam. Nicht nur weil in meinen Adern das Blut von den Eingeborenen des Irak, Marokkos, Syriens und der Türkei strömt, und auch nicht weil meine Familienmitglieder in Baharein und Indonesien geboren wurden. Es stimmt, mein i-pod ist voll mit Abdul Wahab, Sabach Fachri und Farid al Atrash, und meine Shabbatlieder und meine Liturgie leihen sich frei aus Generationen von endlicher islamischer und säkularer arabischer Musik, aber die Verbindung ist viel tiefer. Ich bin ein Jude des Islam, weil das Judentum unter der Herrschaft des Halbmonds sich in eine andere Richtung wendete, als das Judentum unter der Herrschaft des Kreuzes. Die Juden des Islam, obwohl sie im Omar-Dokument als Schützlinge definiert wurden, oder Dimi, haben niemals diese Art von Feindschaft erfahren, Antisemitismus und Verfolgungen, die das tägliche Brot der Juden unter dem Kreuz waren. Sie erlebten keine Dämonisierung als die Mörder Gottes und wurden nicht gezwungen ihre Religion im demütigenden öffentlichen Dispute zu verteidigen, sie wurden niemals so massiv wegen religiösen Gründen vertrieben wie aus England, Frankreich und das katholische Spanien. Überhaupt, der Islam war viel weniger fanatisch als das Christentum. Es ist schwer zu begreifen wie viele Kriege erklärt wurden und wie viele Menschen sterben mussten, durch die Hände der Nachfolger des Mannes, der gesagt hat: „Liebe deine Feinde. Hasse nicht den Bösen und wer dich auf die linke Wange schlägt, wende ihm die rechte zu“. Die Gewalt war nicht nur gerichtet gegen Ungläubigen aus anderen monotheistischen Religionen, wie Moslems und Juden, sondern auch gegen Christen, die aus der Norm gewichen sind. Die Kreuzzüge, das Blutbad des Heiligen Bartholomäus-Tag und die Inquisition sind nur ein Beispiel. Diese letzte, die von den Jüngeren des heiligen Franciskus aus Assisi gegründet wurde, ein barmherziger Mensch, der für Vögel predigte: „Meine kleinen Schwestern, lernt gut Gott zu preisen“, wählte sich als Ziel ausgerechnet die Christen, die als Ketzer verdächtigt wurden und die Juden, die aus Zwang konvertiert sind. Das wurde in der alten und in der neuen Welt in solch einer Grausamkeit durchgeführt, dass daneben die Folterungen von Abu Greib verblassen. Die Zivilisation, die sich „westlich“ nennt ist erst vor kurzem aus einer langen Geschichte von Intoleranz und Fanatismus aufgewacht. Die berühmte Erklärung von Papst Johannes Paulus II, nostra eatate, die die Stellung des Christentum zu anderen Religionen neu definiert, wurde erst 1965 veröffentlicht, vor wenigen Minuten in historischen Begriffen. Nicht nur das, das Dokument befreit zwar die meisten Juden von der Schuld am Mord von Jesus Christus und ruft nach Frieden und religiöser Duldsamkeit, aber gleichzeitig betont es, dass Jesus der wahre Gott sei und das Ziel der Freundschaft und Duldung es ist, dass alle Welt ihn anerkennt. In diesem Dokument erkennt der Papst auch, dass es „einige Differenzen“ zwischen den Islam und der Kirche gab und er drängt die Gläubigen die Vergangenheit zu vergessen und von neuem anzufangen. Aus dem Gedächtnis seiner Heiligkeit verfolgen offensichtlich die Worte von Santiana: „Wer sich an die Vergangenheit nicht erinnert, ist verurteilt, sie zu wiederholen“.
Mit einem Blick rückwärts fragen wir, was geschah mit dem gemäßigten, aufgeklärten Islam? Warum, wie es Harold Blum in seinem Vorwort zum Buch von Maria Rossa Menokel, Das Schmuckstück der Welt, sehen wir nicht mehr andalusische Moslems, nirgends auf der Welt.
Ein Teil der Antwort ist, dass als der Westen in der Neuzeit, den Osten traf, war es ein Treffen voll mit Überheblichkeit, religiösem Fanatismus und Habgier. Die imperialistischen kolonialistischen Kräfte sahen mit Geringschätzung auf die „Eingeborenen“ und haben sich selbstverständlich keine Mühe gegeben ihre Kultur zu verstehen. Missionare haben versucht verlorene Seelen zu retten, unter Einsetzung aller Mittel, und die Bodenschätze von Asien und Afrika wurden geteilt unter den Eroberer aus der erhabenen Zivilisation. Ist es denn ein Wunder, wenn nationale und religiöse Kräfte der Eroberten endlich aufgewacht sind, um diesen Prozess der feindlichen Beherrschung zu beenden?
Wenn man über Religion spricht, ist die Gefahr, die heute der Welt droht, nicht aus dem Lager des Islams, sondern aus dem Lager der fanatischen Religiösen, wo sie auch immer sind. Es ist wahr, dass die meisten von ihnen heute Mohammedaner sind, aber im gewissen Maße ist es derselbe religiöse Fanatismus wie in den USA, ein Land, das auf seiner Fahne die Losung der Trennung von Religion und Staat gemeißelt hat. Es verhindert die Entwicklung der genetischen Forschung durch die Benutzung von Embriostammzellen, es bekämpft die Befürworter von Abtreibung und diskriminiert die Homosexuellen. Die Antwort gegen den Fanatismus ist die gemäßigten Vertreter des Islam zu unterstützen, den Glanz Andalusiens, Cordobas und Granadas zurück zu bringen und eine neue Generation von Religionsführer zu erziehen, die sich den verändernden Zeiten anpassen können, gleichzeitig die westliche Welt zu erziehen, den Islam kennenzulernen. Es ist die Zeit einen Dialog zu beginnen, den Fremden zu akzeptieren, nicht einen solchen, der den Fremden zwingt meinen Weg anzunehmen, sondern einen solchen, der Konflikte und Spannungen lösen könnte, wenn jedes Volk von seiner Identität und seiner besonderen Tradition saugen würde. Das ist ein schwerer und langer Weg, aber die Geschichte hat einen langen Atem, sie wird warten. Inzwischen brauchen wir keine neuen Brücken zu bauen, sondern nur die alten bestehenden Brücken für den Verkehr frei machen




Hajim Ovadia zeichnet mal wieder das Bild des düsteren Inquisitor-Mönchs der Franziskaner. "Die" Franziskaner seien die Inqisitoren gewesen. Ich frage mich: woher hat er dieses Wissen?
Ganz davon abgesehen, dass auch andere Orden an der Suche nach Glaubensverbrechern beteiligt waren, ist hier viel wichtiger die Feststellung:
die meiste Inquisition ging nicht von Mönchen aus, sondern von hoch gebildeten weltlichen Juristen. Auf dem Höhepunkt der Hexenverfolgung in Mitteleuropa (in der nach seriösen Berechnungen mehr Menschen auch aus Glaubensjustizgründen getötet wurden als in Ketzer- und Judenverfolgungen) war die Justiz bereits nahezu vollständig in der Hand von an staatlichen Universitäten ausgebildeten Juristen.
"Die" Inquistion ist dabei eine so wilde Fiktion wie es die einer jüdischen Weltverschwörung wäre. Mit "Inquisition" meinte man bis ins 19. Jahrhundert ganz allgemein die...